Gast­blog­ge­rin Cari­na Gor­ny: Sto­ry­tel­ling auf Ins­ta­gram

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Gast­blog­ge­rin Cari­na Gor­ny: Sto­ry­tel­ling auf Ins­ta­gram

 

Unse­re heu­ti­ge Gast­blog­ge­ring ist Cari­na Gor­ny. Sie stu­diert Medi­en­de­si­gn im 3. Semes­ter an der Ost­fa­lia und ist eine bekann­te Blog­ge­rin auf Ins­ta­gram. Ihr Bei­trag bie­tet Impli­ka­tio­nen für den Jour­na­lis­mus. Sie zeigt mit ihrem Ins­ta­gram-Pro­fil ehr­li­che Ein­bli­cke in ihr Leben, moti­viert ihre Com­mu­ni­ty mit Vor­her- / Nach­her­ver­glei­chen und sen­si­bi­li­siert ihre Fol­lo­wer für The­men wie „das per­fek­te Ins­ta­gram Bild, vs. Rea­li­tät“.

 

Sto­ry­tel­ling auf Ins­ta­gram

Auf­grund der stän­di­gen Über­flu­tung von neu­en Inhal­ten, reicht es im heu­ti­gen Soci­al-Media-Mar­ke­ting schon längst nicht mehr aus, nur gute Inhal­te zu lie­fern. Poten­ti­el­le Leser müs­sen sich mit den Inhal­ten iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Doch wie stellt man das eigent­li­ch an? Indem Inhal­te geschickt ver­packt wer­den, zum Bei­spiel mit gut durch­dach­tem Sto­ry­tel­ling.

Wir scrol­len tag­täg­li­ch flüch­tig durch unse­ren Ins­ta­gram Feed und sehen: unzäh­li­ge Wer­bung von neu­en Pro­duk­ten, die an den Mann gebracht wer­den wol­len. Kat­zen-, Fit­ness- und Food­bil­der sowie die neus­ten Urlaub­schnapp­schüs­se von Freun­den. Bekom­men die­se Bei­trä­ge viel Beach­tung? Wenn wir ehr­li­ch sind nur wenig und flüch­tig. Wie gelingt es uns also, die Auf­merk­sam­keit der Men­schen zu errei­chen? In dem wir sie auf emo­tio­na­ler Ebe­ne packen.

Aus per­sön­li­cher Erfah­rung kommt Schnapp­schuss Jour­na­lis­mus des NORMALEN All­tags mitt­ler­wei­le beson­ders gut an. Klingt zuer­st total bescheu­ert, ist aber tat­säch­li­ch so. Uns wird Online eine der­ma­ßen ver­zerr­te „Rea­li­tät“ auf dem Sil­ber­ta­blett ser­viert und wir füh­len uns oft­mals schlecht, weil wir nicht so ein prunk­vol­les Leben wie ein Ins­ta­gram-Star füh­ren. „Zu schön, um wahr zu sein“ trifft den Nagel auf den Kopf. Die Kühl­schrän­ke und Woh­nun­gen der gan­zen Influ­en­cer sehen aber auch nur für Fotos wie eine Kunst­in­stal­la­ti­on aus. Das ver­ges­sen wir lei­der zu oft. Des­we­gen kom­men Geschich­ten von all­täg­li­chen Pro­ble­men tat­säch­li­ch beson­ders gut an, da wir uns mit die­sen iden­ti­fi­zie­ren kön­nen und sie uns emo­tio­nal packen. Jeder hat schließ­li­ch sei­ne eige­nen Pro­ble­me, sogar eine Beyon­cé. Hier zeich­net sich ein neu­er Trend ab: Pro­mis, die sich unge­schminkt und nach dem Auf­ste­hen ablich­ten oder Schau­spie­le­rin­nen, die Bil­der Online stel­len, die sie beim stil­len ihres Babys zei­gen. Die Ten­denz hin zur Natür­lich­keit und zu Schnapp­schüs­sen aus dem All­tag ist erkenn­bar. Ich bin eben­falls ein gro­ßer Ver­fech­ter davon, ein­fach nur das ganz nor­ma­le Leben, mit all sei­nen Pro­ble­men, Her­aus­for­de­run­gen und mei­nen per­sön­li­chen Gedan­ken­gän­gen ehr­li­ch mit mei­ner Com­mu­ni­ty zu tei­len. Denn ich möch­te ihnen kei­ne Schein­welt vor­set­zen, son­dern (m)eine, mit der sie sich iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Viel­leicht hel­fe ich ihnen teil­wei­se sogar mit mei­nen Posts und ehr­li­chen Ein­bli­cken, was mir wie­der­um ein gutes Gefühl gibt.

Für mich ist Ins­ta­gram eine Welt, in der ich eher Freun­din als unnah­bar und intrans­pa­rent bin. Die Klicks und das Feed­back geben mir dabei Recht. Ich habe mir im Lau­fe der letz­ten Jah­re eine tol­le Com­mu­ni­ty auf­ge­baut, die mit mir einen Wan­del durch­lebt hat. Anfangs habe ich vie­le Essens- und Vorher-/Nachherbilder gepos­tet. Um mich und auch ande­re zu moti­vie­ren. Mitt­ler­wei­le pos­te ich mehr pri­va­te Ein­bli­cke und schrei­be dabei auch ehr­li­ch, wie es mir geht oder war­um ich län­ge­re Zeit abwe­send war. Trotz­dem habe ich noch immer eine sehr hohe Reich­wei­te.

Natür­li­ch loh­nen sich durch­dach­te Pos­tings, Pro­dukt­re­views und pro­fes­sio­nel­le Bil­der. Den­no­ch bin ich der Mei­nung, dass gutes Sto­ry­tel­ling auf gän­gi­gen Platt­for­men wie Ins­ta­gram oder Snap­chat auch dann funk­tio­niert, wenn es spon­tan und unge­stellt hoch­ge­la­den wird.