Gast­blog­ger Kai Sche­lenz: Jour­na­lis­mus muss bezahlt wer­den

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Gast­blog­ger Kai Sche­lenz: Jour­na­lis­mus muss bezahlt wer­den

Zei­tun­gen und Ver­la­ge muss­ten sich schon immer irgend­wie finan­zie­ren, ob durch den Aus­ga­be­preis, Abon­ne­ments oder durch Wer­bung. Wäh­rend der ers­ten gro­ßen Digi­ta­li­sie­rungs­wel­le in den 90er Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts wur­den zuneh­mend jour­na­lis­ti­sche Inhal­te in der Online­aus­ga­be einer Zei­tung zweit­ver­wer­tet. Durch die meist kos­ten­lo­se Bereit­stel­lung schwand aller­dings all­mäh­li­ch die Bereit­schaft der Leser, für jour­na­lis­ti­sche Ange­bo­te Geld zu bezah­len. Das Inter­net hat­te sich an eine gewis­se „Kos­ten­lo­s­kul­tur“ gewöhnt. Es muss­ten Mög­lich­kei­ten gefun­den wer­den die­se Erlös­ein­brü­che zu kom­pen­sie­ren.

Eine Lösung, um auch online mit jour­na­lis­ti­scher Arbeit Geld zu ver­die­nen ist Wer­be­plät­ze zu ver­kau­fen. Ob mit sog. Pre-Rolls bei Videos, Wer­be­ban­nern auf der Web­sei­te, als Stö­rer im Text oder in der Mar­gi­nal­spal­te, Wer­bung begeg­net dem Leser über­all.  Die Ver­lus­te aus dem Print­ge­schäft mit Online­wer­bung zu kom­pen­sie­ren funk­tio­niert in Zei­ten von Adblo­ckern, die gezielt Wer­bung auf Inter­net­sei­ten aus­blen­den sol­len, aller­dings nur noch bedingt.

Der Erfolg von Adblo­ckern macht eine ande­re Form der Finan­zie­rung not­wen­dig: die Pay­wall. Das ist nichts ande­res als eine Bezahl­schran­ke, die vor einem Arti­kel oder einer gan­zen Online­aus­ga­be einer Zei­tung hängt. Der Leser bekommt den Lead­satz oder einen etwas län­ge­ren Teaser ange­zeigt und kann dann ent­schei­den, ob er bereit ist für einen Arti­kel Geld zu bezah­len oder nicht. Grund­sätz­li­ch ist eine Pay­wall die kon­se­quen­te Wei­ter­ent­wick­lung des klas­si­schen Zei­tungs­abon­ne­ments bzw. des Aus­ga­be­prei­ses. Der Nut­zer bekommt eine digi­ta­le Aus­ga­be der gewünsch­ten Zei­tung tages­ak­tu­ell zuge­stellt, ohne sich mit dabei nach drau­ßen vor die Tür zu bege­ben.

Pay­walls las­sen sich in ver­schie­de­ne Kate­go­ri­en ein­ord­nen. Beim „Free­mi­um­mo­dell“ wird eine bestimmt Anzahl an Arti­keln kos­ten­los ange­bo­ten, wäh­rend ande­re als „Pre­mi­um­in­hal­te“ bezahlt wer­den müs­sen. Ein sol­ches Modell fin­det man aktu­ell auf welt.de. Die­se hat­ten im Vor­feld ein sog. „Mete­red Model“ bei dem 20 Arti­kel monat­li­ch kos­ten­frei waren und anschlie­ßend bezahlt wer­den mus­s­te. Das Modell ließ sich aller­dings durch geziel­tes löschen ein­schlä­gi­ger Coo­kies im Brow­ser oder auch durch einen Brow­ser­wech­sel leicht umge­hen. Eine „har­te Bezahl­schran­ke“ ermög­licht es ein­zig Abon­nen­ten auf die dahin­ter­lie­gen­den Inhal­te zuzu­grei­fen.

Mone­ta­ri­sie­rung von Onlin­ein­hal­ten deut­scher Zei­tungs­ver­le­ger. (Quel­le: https://de.statista.com/infografik/1239/deutsche-zeitungen-mit-paywall/)

 

Neben die­sen Model­len exis­tie­ren auch Model­le, die auf Frei­wil­lig­keit basie­ren. So führ­te die taz.de das Modell „taz.zahl ich“ ein. Nach eige­nen Anga­ben hat die Zei­tung 10.871 zah­len­de Abon­nen­ten ihrer Online­aus­ga­be (Stand 31.10.17) Bei die­ser Vari­an­te ent­schei­det der Leser bei jedem Arti­kel, ob er bezah­len möch­te. Monat­li­ch sind bei der taz min­des­tens 5 Euro fäl­lig, wenn man die Zei­tung unter­stüt­zen möch­te. Das Beson­de­re dar­an ist, dass alle Inhal­te auch ohne ein Abo gele­sen wer­den kön­nen. Der User wird vor dem Lesen eines Arti­kels gefragt, ob er die Zei­tung unter­stüt­zen möch­te, oder bereits dabei ist. Er kann sich also ent­schei­den, ob er mit­macht, oder nicht.

Pay­walls sind für den Anwen­der sicher zunächst ein Fluch, doch kön­nen sie auch das Anse­hen und die Wer­tig­keit von Jour­na­lis­mus erhö­hen. Sagt der Volks­mund nicht all­zu­oft: „was nichts kos­tet, das taugt nichts“?

Wer schon immer bereit war, für jour­na­lis­ti­sche Inhal­te Geld zu bezah­len, der wird auch vor einer Bezahl­schran­ke im Inter­net nicht zurück­schre­cken. Und viel­leicht hilft gera­de die­ses Modell dabei,  die Qua­li­tät zu erhö­hen und den Jour­na­lis­mus wie­der in ein bes­se­res Licht zu rücken.